© Andreas Gregor

75 Jahre Israelitische Kultusgemeinde München

75 Jahre nach der Wiedergründung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) ist jüdisches Leben in München fest verankert. «Als die Gemeinde im Juli 1945 wiedergegründet wurde, hätte ich mir niemals träumen lassen, dass jüdisches Leben wieder ins Herz dieser Stadt zurückkehren würde», sagte die IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch anlässlich des Jahrestages am Mittwoch. «Aus einer kleinen Gruppe Überlebender, die den Faden wieder aufnehmen wollten, ist heute eine Gemeinde geworden, deren Größe beinahe an die der Zeit vor 1933 heranreicht.» Sichtbares Zeichen: Das Jüdische Zentrum am Jakobsplatz mit der Hauptsynagoge Ohel Jakob, die 2006 eröffnet wurde.

Knobloch steht seit 1985 an der Spitze der Kultusgemeinde, von 2006 bis 2010 war sie Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Mit Sorge sieht die 87-Jährige eine Zunahme des Antisemitismus. «Der Judenhass, dem schon die Überlebenden hier in München die Stirn boten, wächst seit Jahren wieder an», bedauerte sie. Vor rund einer Woche war ein Rabbiner, der eine Kippa trug, in München auf der Straße von vier Unbekannten beleidigt worden. «Wenn Gemeindemitglieder sich heute nicht als jüdisch zu erkennen geben wollen und Rabbiner unserer Gemeinde auf offener Straße beleidigt werden, ist es bis zur Normalität noch ein weiter Weg.»

Eigentlich waren zum Jahrestag Veranstaltungen geplant, die wegen der Coronapandemie aber abgesagt wurden. Der eigentliche Bezugspunkt für die Gemeindegründung ist laut Knobloch aber ohnehin nicht das Jahr 1945. Die Nationalsozialisten hätten die Gemeinde 1941 widerrechtlich aufgelöst, nach Kriegsende sei sie lediglich wiederhergestellt worden. «Den Beginn unserer Traditionslinie führen wir weiterhin auf 1815 zurück – das Gründungsjahr der IKG.»