Antisemitismus in Bayern: Fast hundert Vorfälle in sechs Monaten

Holocaustleugnung, religiöse Anfeindungen oder Schmierereien: In Bayern sind in den vergangenen sechs Monaten fast hundert antisemitische Vorfälle gemeldet worden. Das teilte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) am Dienstag mit. Die Dunkelziffer soll noch höher sein. Die antisemitischen Denkmuster des Attentäters von Halle würde man bei vielen der registrierten Vorfälle, heißt es. Es sei nur die Frage, inwieweit dieses Denken auch in die Tat umgesetzt werde. Bei den insgesamt 96 in Bayern gemeldeten Fällen wurde laut RIAS 40 Mal der Holocaust geleugnet. 14 Mal wurden demnach die Juden für alles Böse in der Welt verantwortlich gemacht. Knapp jeden zweiten
Vorfall schätzt RIAS unterhalb der Strafbarkeitsschwelle ein.

Seit 1. April dieses Jahres können Betroffene und Zeugen online und per Telefon antisemitische Vorfälle an RIAS melden. Auf einer Facebook-Seite werden einige davon veröffentlicht. Beispielsweise der Fall eines jüdischen Unternehmers aus München, bei dem Unbekannte einen durchgestrichenen Davidstern an seinen Firmenparkplatz geschmiert haben.