Alles Wissenswerte zu den Coronavirus-Fällen bei uns

Seit dem Wochenende gibt es bei uns in der Heimat jetzt acht Patienten mit dem Coronavirus. Auch beim achten infizierten Mann handelt es sich um einen Mitarbeiter von Webasto. Alle seien in einem gesundheitlich stabilen Zustand, heißt es vom Gesundheitsministerium. In Stockdorf in Landkreis Starnberg wird die Hauptzentrale von Webasto aktuell gereinigt und desinfiziert. Das Unternehmen stellt sich aktuell darauf ein, dass die Mitarbeiter morgen wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren können. Laut der zuständigen Behörden ist dies unbedenklich, steht in einer Pressemitteilung von Webasto.

Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, wird von Experten weiter als gering eingestuft. Alle weiteren Infos und die Antworten auf viele Fragen findet ihr hier:

Wie kam es zu dem Krankheitsfall?

Der 33-Jährige arbeitet beim Autozulieferer Webasto mit Sitz in Stockdorf im Landkreis Starnberg. Vergangene Woche waren dort drei Mitarbeiter aus China zu Gast, für eine Fortbildung. Dabei war eine Frau, die am 16. Januar noch Besuch von ihren Eltern bekommen hatte. Diese leben im Epizentrum des Coronavirus, der Region Wuhan in China. Die chinesischen Mitarbeiter waren dann vom 19. bis 23. Januar im Firmenhauptsitz in Stockdorf. Am 21. Januar nahm die Frau an einem Seminar teil. Dabei saß sie den ganzen Tag mit dem Mann aus dem Landkreis Landsberg in einem Raum. Am 23. Januar flog die Frau zurück. Während des Fluges traten bei ihr die ersten Symptome auf. Über das Wochenende (25./26. Januar) wurde auch der Mann aus dem Landkreis Landsberg krank. Am Montag den 27. Januar fühlte er sich aber wieder fit genug und ging in die Arbeit. An diesem Tag bekam Webasto dann die Nachricht, dass die chinesische Mitarbeiterin am Coronavirus erkrankt war. Als der Mann mitteilte, dass er über das Wochenende fiebrig war, wird er gleich im Tropeninstitut getestet – die Diagnose: Er hat das Coronavirus. Gegen Mitternacht informierte dann das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die Öffentlichkeit. Die drei neuen Fälle in seinem Umfeld wurden dann am Dienstagabend bekannt.

Wie gehen die Behörden jetzt vor?

Es wurden sämtliche engen Kontaktpersonen des Mannes ermittelt. Das sind um die 40 Personen. Das Problem – der Schnelltest auf das Coronavirus funktioniert erst, wenn die ersten Symptome auftreten. Davor gibt es keine Gewissheit. So werden die Kontaktpersonen nun umfänglich informiert. Der 33-Jährige hat auch ein Kind, das in einen Kindergarten im Landkreis Landsberg geht. Das Kind bleibt vorerst zuhause. Das Landratsamt informiert die anderen Eltern. Die Kita bleibt aber bis auf weiteres geöffnet. Die Firma Webasto hat übrigens alle Reisen von und nach China für die nächsten zwei Wochen eingestellt. Den Mitarbeitern am Standort Stockdorf wurde es freigestellt, diese Woche im Homeoffice zu arbeiten.

Wie werden die Viren übertragen?

  • Coronaviren stammen allgemein von Tieren und mutieren dann so, dass sie auch auf Menschen überspringen können. Beim jetzigen Coronavirus ist dies wohl auf dem Fischmarkt in der chinesischen Stadt Wuhan passiert
  • Nun wird das Coronavirus auch von Mensch zu Mensch übertragen via Tröpfcheninfektion. Das heißt, wenn wir husten, niesen oder nur reden verbreiten wir winzige Speicheltröpfchen. Wenn diese mit dem Virus befallen sind und jemand anderes die Tröpfchen einatmet, dann kann er sich anstecken. So verbreiten sich auch Erkältungen und die Influenza

Wie groß ist das Risiko, dass sich das Coronavirus jetzt bei uns ausbreitet?

  • Die Experten der Klinik Schwabing schätzen das Risiko für eine Ansteckung weiter als eher gering ein. Es kann nun weitere Fälle geben und eine rasante Ausbreitung ist nicht ausgeschlossen, aber aktuell nicht wahrscheinlich.

Wie gefährlich ist das Virus wirklich?

  • Wenn die Zahlen aus China stimmen, dann stirbt etwa einer von 100 Erkrankten an dem Virus. Bei dem verwandten SARS-Virus vor 17 Jahren war die Sterberate zehn Mal so hoch. Damals waren weltweit rund 800 Menschen gestorben. Zum Vergleich, allein in Deutschland sterben jedes Jahr rund 20.000 Menschen an der Grippe
  • Zu Todesfällen kam es wohl bislang vor allem bei Menschen, die schon eine chronische Erkrankung hatten oder aufgrund ihres Alters geschwächt waren. Wer bei guter Gesundheit ist, sollte daher eine Ansteckung gut überstehen.

Wie merke ich, dass ich mich angesteckt habe?

  • Gewissheit, gibt am Ende nur ein Labortest. Denn die Anfangssymptome, sind wie bei einer normalen Erkältung oder der Grippe: Husten, Schnupfen und Fieber. Beim Coronavirus kommen aber oft Schüttelfrost und Kopfschmerzen dazu. Und am Ende wird die Lunge angegriffen – da kommen also Atembeschwerden dazu – im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung.

Wie schütze ich mich am Besten?

  • So wie man sich auch vor Erkältungen oder der Grippe schützt. Gründliche Händewaschen, vor allem wenn man jemand anderem die Hand gegeben hatte. Unterwegs sollte man auf ein Desinfektionsmittel zurückgreifen
  • Bestimmte Atemschutzmasken können zwar Viren und Bakterien abhalten, die meisten aber nicht. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, hält daher nichts von der Anwendung von Atemschutzmasken. Wie er der dpa sagte, werden Masken normal eingesetzt, damit die tragende Person nicht andere Personen ansteckt, und nicht andersherum

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

  • Die Inkubationszeit (also die Zeit, die zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit liegt) liegt beim Coronavirus bei bis zu 14 Tage
  • Das Problem ist: in dieser Zeit können Patienten weitere Menschen anstecken, dabei wissen sie noch nicht einmal selbst, dass sie krank sind

Gibt es einen Impfstoff gegen das Coronavirus oder Medikamente zur Behandlung?

  • Es wird fieberhaft nach einem Impfstoff geforscht. Aktuell werden schon verschiedene Varianten in klinischen Studien getestet. Experten erwarten aber, dass es ein Jahr dauern könnte, bis ein Impfstoff wirklich auf dem Markt verfügbar ist.
  • Ein spezielles Medikament zur Behandlung gibt es aktuell auch noch nicht. Die Behandlung besteht grundlegend einfach aus Bettruhe, Infusionen und manchmal Cortison gegen Entzündungen. In den schwereren Fällen, also bei chronisch Kranken, die sich angesteckt haben und daher sterben könnten, werden natürlich alle Register gezogen. So testet China auch gerade, ob man mit einem HIV-Medikament das Coronavirus bekämpfen kann.

Weitere Infos:

  • Betroffen sind bisher alle Altersgruppen – bei Männern und Frauen sind in etwa gleich häufig betroffen
  • Bisher gab es in China schon einige Todesfälle – dabei handelt es sich aber vor allem um Patienten mit schweren Grunderkrankungen
  • Ein Impfstoff ist frühestens in einem Jahr möglich, sagt die globale Impfallianz
  • Das Auswärtige Amt rät, nicht unbedingt notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verschieben
  • Menschen, die aktuell Lufthansa-Flugtickets nach China haben – können diese bei der Fluggesellschaft kostenlos umbuchen

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