Die Unterschiede bei den Corona-Impfstoffen

Die Europäische Union will nun den dritten Corona-Impfstoff zulassen und zwar von AstraZeneca. Die Impfstoffe von BioNTech und Moderna sind schon zugelassen. Und wer geimpft wird, kann nicht wählen, welchen Impfstoff er bekommt. Wir erklären daher hier die Unterschiede zwischen den Impfstoffen.

Ansätze:
Die Impfstoffe von BioNTech und Moderna sind genbasierte Impfstoffe, sogenannte mRNA-Impfstoffe. Diese bestehen nicht aus Krankheitserregern oder Antigenen, sondern nur aus einer Botschaft für unsere Zellen im Muskelgewebe. Und zwar die Anleitung, wie sie die Antigene gegen die Coronaviren herstellen können. Der Impfstoff ist ein Biomolekül, das nicht die DNA der Zelle eingebaut werden kann und somit auch nicht unser Erbgut verändert.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist hingegen ein sogenannter Vektorimpfstoff. Dieser besteht aus für uns harmlose Viren, den sogenannten Vektoren. Diesen harmlosen Viren wird ein kleiner Teil des Erbguts, also der DNA, des Coronavirus eingebaut. Mit diesem kleinen Erbgutschnipsel lernt und trainiert unser Immunsystem dann, wie es die Coronaviren bekämpfen kann.

Wirksamkeit:
Der erste Unterschied liegt bei der Wirksamkeit der Impfstoffe: Laut den Daten erzielt der Impfstoff von BioNTech bei den über 65-Jährigen einen besseren Impferfolg. Die Wirksamkeit beträgt mehr als 94 Prozent. Beim Moderna-Impfstoff sind es in dieser Altersgruppe dagegen nur 86,4 Prozent. Allerdings zweifelt Thomas Mertens, der Vorsitzende der STIKO (Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut), an der Aussagekraft dieser Daten. Moderna habe in seinen Phase-3-Studien unter seinen Probanden zu wenige Menschen in dieser Altersgruppe gehabt. Außerdem seien in der Placebo-Gruppe der über 65-Jährigen zu wenige Menschen tatsächlich an Covid-19 erkrankt, um wirkliche Aussagen bezüglich der Wirksamkeit treffen zu können. Zum gleichen Schluss sei auch die amerikanische Arzneimittelbehörde gekommen, so Mertens. Deshalb empfiehlt die STIKO beide Impfstoffe als gleichwertig.

Im Vergleich zu den bereits zugelassenen Impfstoffen von BioNTech und Moderna soll der Impfstoff von AstraZeneca jedoch eine geringe Wirksamkeit haben. Studienteilnehmer, die zwei Standarddosen verabreicht bekamen, hatten eine Schutzwirkung von 62,1 Prozent. Probanden, die zunächst eine niedrigere Dosis und später die Standarddosis bekamen, kamen auf eine Schutzrate von 90 Prozent. Erst in Kombination erreicht die Schutzrate im Mittel 70 Prozent. Berichte, dass die Wirksamkeit bei über 65-Jährigen bei dem AstraZeneca-Impfstoff nur bei acht Prozent läge, hat das Unternehmen entschieden zurückgewiesen. Vielleicht basiert das alles auf einem Missverständnis, denn der schwedisch-britische Konzern hatte in seinen Studien nur acht Prozent an älteren Teilnehmern.

Nebenwirkungen:
Was die Nebenwirkungen der einzelnen Impfstoffe betrifft, gibt es ein paar Unterschiede: Die mit dem Impfstoff von Moderna geimpften Menschen klagten häufiger über Muskel- und Gelenkschmerzen und Schüttelfrost. Andere Nebenwirkungen wie die Rötung an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder Fieber kamen bei Moderna und BioNTech vergleichbar oft vor. Laut dem New England Journal of Medicine lösten sich aber die Nebenwirkungen bei den meisten Teilnehmern nach 2 Tagen ohne Folgen auf. Die Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffs unterscheiden sich kaum von denen des Wirkstoffs von BioNTech. Allerdings gab es bei dem Impfstoff des Mainzer Unternehmens mehrfach Probleme mit allergischen Reaktionen.

Lagerung:
Ein wichtiger Unterschied ist die Lagerung der Impfstoffe: Bei Moderna ist diese nämlich um einiges einfacher als bei BioNTech und der Impfstoff ist dazu länger haltbar. Der BioNTech-Impfstoff kann beispielsweise 6 Monate bei -90 bis -60 °C gelagert werden und hält bei einer Temperatur von 2 bis 8 °C circa 5 Tage. Aber nur ungeöffnet! Moderna dagegen kann bei nur –25 bis –15 °C 7 Monate gelagert werden und hält bei 2 bis 8 °C 30 Tage lang. Die Lagerung ist einer der großen Vorteile des Impfstoffs von AstraZeneca. Der Vektorimpfstoff kann nämlich langfristig im Kühlschrank gelagert werden. Das ist natürlich um einiges einfacher,als bei den beiden mRNA-Impfstoffen.

2. Impfung:
Auch bei der Verabreichung der zweiten Impfdosis gibt es Unterschiede: Bei Moderna findet diese 4 bis 6 Wochen nach der ersten Impfung statt, bei BioNTech könnt ihr euch die zweite Impfdosis dagegen schon eine Woche früher holen. Beim Impfstoff AstraZeneca ist der Abstand dagegen sehr variabel: Die zweite Dosis soll nämlich vier bis zwölf Wochen nach der ersten verabreicht werden.

Zulassung:
Was vor allem die jungen Leute da draußen interessieren könnte: BioNTech ist ab 16 Jahren zugelassen, doch Moderna erst ab 18 Jahren. Das hängt damit zusammen, ab welchem Alter die Probanden an der jeweiligen Phase-III-Studien teilgenommen haben. Auch bei AstraZeneca wird man sich voraussichtlich erst ab 18 Jahren impfen lassen können.