EM in München: In der Stadt blieb alles ruhig

Endlich wieder Fußballfieber – wenn auch nach strengen Regeln. Zum ersten deutschen Gruppenspiel bei der Europameisterschaft am Dienstag in München haben Fans fröhlich und friedlich gefeiert. 14 500 Leute hatten Karten ergattert, um das Spiel live zu sehen. Schon am Nachmittag waren sie in Scharen zum Stadion gezogen. «Das ist einfach großartig, das wieder zu erleben nach anderthalb Jahren. Das Spiel ist fast nebensächlich», sagte ein Düsseldorfer, der mit zwei Freunden und Deutschlandflagge angereist war. Hochbetrieb herrschte auch in vielen Biergärten, die das Spiel auf Fernsehern und Leinwänden übertrugen.

Die Polizei beobachtete das Geschehen in der Münchner Innenstadt ebenso wie vor dem Stadion, wo Beamte der Reiterstaffel unterwegs waren. «Vereinzelte Verstöße gab es, aber nicht mehr», sagte ein Polizeisprecher vor Spielbeginn. Es sei gesittet. Allerdings: Mit dem Abstand war das so eine Sache, viele fielen sich dann doch in die Arme. Immerhin musste jeder, der in die Fußball-Arena wollte, einen negativen Corona-Test vorweisen.

Besonders feierfreudig waren die Franzosen, die schon am Hauptbahnhof von einer Deutsch-Französischen Einsatzeinheit der Polizei in Empfang genommen worden waren. «Die Besucher (…) waren angenehm überrascht, freuten sich über die Begrüßung in ihrer Landessprache und baten um Erinnerungsfotos», meldete die Polizei.

Einer dieser französischen Fans war Galton. Im Ganzkörperanzug in den Farben der Tricolore sorgte er für Aufsehen. «Wir haben drei Jahre lang darauf gewartet», sagte der Pariser. Frank aus Nizza zeigte sich fest überzeugt, dass die Franzosen nach dem WM-Titel nun gute Chancen haben, Europameister Portugal zu beerben.

Freudig und entspannt war die Stimmung auch in vielen Biergärten. Schon am Nachmittag versammelten sich die ersten Gäste, nach strengen Abstands- und Hygieneregeln. Für Paul Daly vom Lokal «Kilian’s» in München ein Lichtblick nach monatelangen Schließungen. «Das ist wunderbar!» Dass strikte Regeln gelten und er weniger Leute als sonst bewirten kann, nimmt er hin. Seine Gäste sollten sich sicher fühlen.

Die rund 200 Menschen vor dem Lokal fieberten beim Spiel begeistert mit. Dabei sollte der Hauptzweck des Biergartenbesuchs an dem Abend nach den Vorgaben von Bayerns Staatsregierung doch Essen und Trinken sein. Der Fußball: Nebensache. David aus München kann sich darüber nur wundern: «Das ist nicht realistisch», findet er. «Und die wissen auch, dass das so ist. Aber so lässt es sich besser verpacken.»