Kabinett tagt wegen Corona Virus

München (dpa/lby) – In Bayern gibt es einen neuen Coronavirus-Fall. Es handele sich um einen Mann aus Mittelfranken, der in Deutschland Kontakt mit einem infizierten Italiener hatte, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am Donnerstagabend mit. Die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 in Deutschland beschäftigt außer der Reihe Bayerns Staatsregierung. Im Kabinettsausschuss wollen sich einzelne Ministerien mit Regierungschef Markus Söder (CSU) am Freitag (11.00 Uhr) mit Vertretern des Robert Koch-Institutes (RKI) über die Lage in Bayern und den anderen Bundesländern austauschen. Auch Folgen für die Wirtschaft sind zunehmend spürbar.

Die Infektion des Mannes aus Mittelfranken wurde am Abend bestätigt, wie der Sprecher weiter erklärte. Das zuständige Gesundheitsamt habe begonnen, Kontaktpersonen des Mannes zu ermitteln. Einzelheiten sollen am Freitag mitgeteilt werden. Der Italiener sei erst nach seiner Rückkehr nach Italien positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden.

Unterdessen ist der letzte der 14 bislang in Bayern infizierten Patienten aus dem Krankenhaus entlassen worden. Folgen hat auch die Infektion eines 25-Jährigen aus dem Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg: Nach dem Kinobesuch des Mannes in Neu-Ulm müssen mehrere Sitznachbarn des Mannes in Quarantäne. Außerdem gibt es Bezüge von drei Infizierten in Baden-Württemberg nach Bayern: Sie sind Teil einer Gruppe von Geschäftsreisenden, die vom 19. bis 21. Februar an einem Business-Meeting in München teilgenommen hatten.

Im Fokus des Kabinettsausschusses soll die Frage stehen, wie der Freistaat auf eine möglicherweise bevorstehende Ausbreitung vorbereitet ist. Dabei geht es etwa um vorhandene Kapazitäten von geeigneten Quarantänebetten in Krankenhäusern. Mit dabei sind unter anderem die Minister für Gesundheit, Inneres, Soziales, Verkehr und Kultus sowie RKI-Präsident Lothar Wieler und der Leiter des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf.

Nachdem in den vergangenen Tagen in mehreren Bundesländern neue Erkrankungen nachgewiesen wurden, der Ansteckungsweg aber zunächst nicht immer nachvollziehbar war, sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Deutschland «am Beginn einer Corona-Epidemie».

In Bayern war Ende Januar der erste Coronavirus-Fall in Deutschland nachgewiesen worden. Alle der seitdem 14 Infizierten im Freistaat standen im Zusammenhang mit dem Autozulieferer
Webasto aus Gauting-Stockdorf. Dort war im Januar eine Mitarbeiterin aus China zu Besuch, die das Virus in sich trug. Kollegen und einige Angehörige infizierten sich. Der neue Fall hat nach ersten Erkenntnissen keinen Bezug zu Webasto.