Millionenschaden bei Seniorenheimen – Angeklagter räumt Verantwortung ein

Im Prozess um Veruntreuung und Betrug gegen einen ehemaligen Geschäftsführer der Augustinum-Seniorenheime hat der Angeklagte eine Mitschuld eingeräumt. «Der Angeklagte steht zu seiner Verantwortung», sagte sein Anwalt zu Prozessbeginn am Freitag vor dem Landgericht München I. Er trage aber keinesfalls allein die Schuld daran, dass die Augustinum-Gruppe bei dubiosen Immobiliengeschäften um Millionen geprellt wurde. Er sei «ans Messer geliefert» worden.

Die Hauptverantwortung trage ein inzwischen verstorbener Rechtsberater des Augustinums, dem der Ex-Geschäftsführer nahezu blind vertraut habe. «Es gab für mich keinen Anlass, ihm nicht zu trauen», sagte der Angeklagte. «Ich hab die Verträge auch nicht verstanden, ich bin ehrlich. Ich bin ja kein Jurist.» Aus Sicht der Verteidigung tragen auch noch andere Augustinum-Verantwortliche eine Mitschuld.

Hintergrund des Prozesses ist, dass die Gruppe zahlreiche ihrer Altenheime verkauft hatte, um sie dann wieder zu mieten. Davon versprach man sich mehr Flexibilität. Bei den Verkäufen aber soll – mit Hilfe des damaligen und nun angeklagten Geschäftsführers – Geld abgezweigt worden sein.

Bei den mutmaßlichen Taten, die vor Gericht verhandelt werden, soll ein Schaden von sechs Millionen Euro entstanden sein. Wie hoch die Augustinum-Gruppe selbst den Gesamtschaden in dem mutmaßlichen Betrugsfall heute beziffert, wollte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage nicht sagen. Die Gruppe will die mutmaßlich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verkauften Immobilien zurückholen.

Die Augustinum-Gruppe betreibt nach Angaben des Sprechers 23 Seniorenheime in neun Bundesländern, in denen insgesamt 7500 Menschen leben.