Mit 96 wider Willen auf AfD-Liste – Staatsanwaltschaft ermittelt

Bei der Kommunalwahl tritt für die AfD im Landkreis Ebersberg eine illustre Mannschaft an: Unter anderem ein Alzheimer-Patient und eine 96-Jährige stehen zur Wahl. Allerdings gegen ihren Willen – wie bei einigen anderen auch. Nach mehreren Berichten ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Der Vaterstettener AfD-Gemeinderat Manfred Schmidt, selbst 82 Jahre alt, soll Kandidaten auf die AfD-Wahllisten für den Ebersberger Kreistag und Vaterstettener Gemeinderat gesetzt haben, ohne dass die Betroffenen davon wussten. Schmidt, der in der Gemeinde für sein Engagement für Senioren bekannt ist, will heute Abend in der Gemeinderatssitzung Stellung nehmen. Davor wolle er sich nicht äußern, sagte er auf Anfrage.

Zehn Kandidaten hätten fristgerecht ihren Widerruf erklärt, sagte Wahlleiterin Claudia Bitzer. Danach hätten sich sieben weitere Betroffene gemeldet, die nicht auf die AfD-Liste mit nun insgesamt 23 Kandidaten wollten – zu spät. Sie bleiben damit wählbar, können aber nach der Wahl die Annahme eines Mandats verweigern.

Die AfD in Oberbayern hat gegen den 82-Jährigen wegen der Vorkommnisse ein Parteiausschlussverfahren angekündigt. Schmidt soll bei der Anwerbung von Listenkandidaten «offenkundig auch unlautere Überrumpelungsmethoden angewendet» haben. Einige der Kandidaten dachten, dass sie mit der Unterschrift Schmidts Kandidatur unterstützen – andere glaubten, sie hätten gegen die Windkraft im Ebersberger Forst unterschrieben.