München: Doch keine Revision im Stromschlag-Prozess

Im aufsehenerregenden Münchner Stromschlag-Prozess hat der Verteidiger des Verurteilten die Revision überraschend und kurz vor Ablauf der Frist zurückgezogen. Das bestätigte das Landgericht München II am Mittwoch, nachdem zuvor die «Main Post» darüber berichtet hatte. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Das Gericht hatte den Informatiker aus der Nähe von Würzburg wegen versuchten Mordes in 13 Fällen zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass er sich als falscher Arzt ausgegeben und junge Frauen per Internet-Chat dazu gebracht hat, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzufügen.

Die Verteidigung äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu diesem überraschenden Schritt. Die «Main Post» zitierte Rechtsanwalt Klaus Spiegel damit, er bedauere, «dass das Urteil nicht vom BGH überprüft wird». Es sei jetzt aber «an der Zeit», dass der Verurteilte und seine Familie «Ruhe bekommen». Die Entscheidung, das Urteil doch anzunehmen, sei «familienintern» getroffen worden.

Spiegel hatte in seinem Schlussplädoyer eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert, die Staatsanwaltschaft 14 Jahre Haft. Die Anklagebehörde hatte von Anfang an auf Rechtsmittel verzichtet.