MVV-Tarifreform – Alles was Ihr wissen müsst

Ab Sonntag den 15.12. ist im öffentlichen Nahverkehr bei uns alles anders. Es tritt nicht nur ein neuer Fahrplan in Kraft, sondern auch die große MVV-Tarifreform. Daher klären wir für Euch hier alle wichtigen Fragen zu der Reform.

Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 findet die größte Reform in der Geschichte des MVVs statt. Das bisherige Tarifsystem aus Ringen, Zonen und Räumen wird abgeschafft. Stattdessen gibt es nur noch sieben Tarifzonen. Im Zentrum steht die neue M-Zone, die die komplette Stadt München und auch Nachbargemeinden umfasst. Und im Umland gibt es dann sechs weitere Zonen.

Wer profitiert – wer verliert?

Im Schnitt werden allen Fahrkarten mit der Reform sieben Prozent billiger. Aber es gibt große Unterschiede. Vor allem Vielfahrer werden belohnt. Jahresabos werden billiger, aber für viele auch die Fahrt mit der Streifenkarte. Tageskarten werden hingegen oft teurer.

Da nun die ganze Stadt München eine große Tarifzone ist, werden vor allem die Abokunden mehr zahlen müssen, die bisher nicht in die Innenstadt mussten. Wer nur Ringe hatten, die weiter außen lagen, der wird nach der Reform in der Regel mehr zahlen müssen.

Was passiert mit den Jahreskarten?

Für Jahreskarteninhaber tritt die Reform quasi erst zum 01.01.2020 in Kraft. Bis dahin dürfen sie nur die Strecken fahren, für die Ihr Ticket auch davor galt. Ab Januar können sie dann aber auch die ganze M-Zone befahren, obwohl ihr Ticket vielleicht nur für die Ringe 3 und 4 galt.

Die meisten Jahresabos werden billiger. Wer ein Abo hat, dass noch bis zum Bespiel Mitte 2020 läuft, schaut aber nicht in die Röhre. Das zu viel bezahlte Geld wird Euch erstattet.

Warum haben viele Stationen zwei Zonen?

Der neue Netzplan wirkt etwas verwirrend. Im Umland stehen fast bei jeder Station zwei Zonen. Also bei Fürstenfeldbruck zum Beispiel Zone 2 und 3. Wenn Ihr nach München reinfahren wollt, dann liegt Eure Station in der Zone, die näher an der M-Zone dran ist. Also bei Fürstenfeldbruck zum Beispiel die Zone 2. Wenn ihr aber nach auswärts fahrt, zählt die Zone, die weiter draußen ist. Also bei Fürstenfeldbruck die Zone 3. Dadurch werden die großen Preissprünge zwischen einzelnen Stationen in Zukunft verhindert.

Wie viele Streifen muss man in Zukunft stempeln?

Erwachsene müssen nach der Reform immer mindestens zwei Streifen stempeln (ausgenommen Kurzstrecke). Damit könnt Ihr entweder in der Zone M fahren, oder in zwei nebeneinanderliegenden Zonen im Umland. Für jede weitere Zone, in die Ihr fahrt, wird ein weitere Streifen fällig.

Beispiele: Wer vom Münchner Marienplatz aus nach Dachau fährt, muss drei Streifen stempeln. Zwei für die Zone M, einen für die Zone 1.

Wer von Erding nach Heimstätten fährt, muss vier Streifen stempeln. Die beiden vorausgesetzten Streifen kann man für Zone 4 und 3 verwenden. Dann braucht man für die Zonen 2 und 1 jeweils einen weiteren Streifen.

Was passiert mit den alten Tickets?

Wochen- und Monatskarten sowie Fahrrad-Tageskarten blieben uneingeschränkt gültig. Streifenkarten, sowie Einzelfahrkarten für Kinder und Kurzstrecke müssen bis spätestens 31.3.2020 aufgebraucht werden. Einzelfahrkarten für Erwachsene und Tageskarten verlieren hingegen sofort Ihre Gültigkeit. U21-Jährige müssen außerdem ab 15.12.2019 eine neue Streifenkarte kaufen. Diese ist billiger, muss aber genauso gestempelt werden wie die Streifenkarte für Erwachsene. Das Angebot, mit der gleichen Karte nur die Hälfte zu stempeln, gilt nicht mehr. U21-Jährige können daher auch nicht mehr die alten Karten weiterbenutzen.

Die nicht mehr gültigen Fahrkarten können bei den Kundencentern im MVV in Fahrkarten des neuen Tarifs umgetauscht oder bis 31.03.2020 kostenlos erstattet werden.

Was ändert sich bei den Tageskarten?

Wer von der XXL-Tageskarte profitiert hat, muss Nachteile schlucken. In der Zukunft soll für alle gelten – eine Tageskarte lohnt sich ab drei Fahrten. Die Tageskarten können künftig zonengenau gekauft werden. Es gibt also keine Tageskarte Außenraum oder so mehr. Allerdings steigen die Preise für die Tageskarten an. Die 3-Tage-Karte Innenraum wird nicht mehr angeboten. Kunden sollen stattdessen die IsarCard Wochenkarte für die Zone M für 17,10 € nutzen.

Gibt es weiterhin eine Kurzstrecke?

Ja, die Kurzstrecke wird es weiterhin geben. Die bisherigen Regelungen bleiben unverändert bestehen.

Was ändert sich bei den Höchstfahrzeiten?

In Zukunft gelten für Einzelfahrkarten, Streifenkarten, U21-Streifenkarten und Kurzstrecke folgende Höchstfahrzeiten:
2 Stunden für die Zone M oder zwei Zonen im Umland
3 Stunden ab Zonen oder für die Geltungsbereiche M-1 bis M-6
1 Stunde bei Kurzstrecke
Umsteigen und Fahrtunterbrechungen bleiben innerhalb der Höchstfahrzeiten erlaubt, Rückfahrten sind aber ausgeschlossen

Was ändert sich bei der IsarCard60?

Die Altersgrenzen für das Seniorenticket wird auf 65 Jahre angehoben und heißt dementsprechend auch in Zukunft IsarCard65. Dafür entfällt aber die Sperrzeit. Mit ihr kann man nun den ganzen Tag fahren. Außerdem gibt es eine erweiterte Auswahl an Geltungsbereichen. Für Kunden unter 65 Jahre, die bereits bisher die IsarCard60 im Abonnement nutzen, gibt es eine Übergangsregelung bis zum Erreichen der neuen Altersgrenze. Nähere Infos findet Ihr hier.

Welche Änderungen gibt es beim Sozialticket?

Mit der Tarifreform wird ein einheitliches Sozialticket eingeführt, die IsarCardS. Um die IsarCard S zu erwerben, benötigen die Hilfsberechtigen in der Landeshauptstadt einen neu ausgestellten München-Pass und in den Verbundlandkreisen den jeweiligen Landkreis-Pass. Die Ticketpreise für die IsarCardS werden an das neue Tarifsystem eingepasst.

Gibt es Änderungen beim MVV-Semesterticket?
Nein. Hier bleibt alles beim Alten.

Gibt es Kulanz bei Kontrollen?
Bei so vielen Änderungen, kann es auch mal leicht passieren, dass man vielleicht doch falsch stempelt. Gibt es deswegen eine Kulanzphase bei den Kontrollen? Der MVV betont, Fehler seien aufgrund der genauen Technik an den Ticketautomaten kaum möglich. Dazu werde das Team in der Hotline nach der Umstellung erst Mal aufgestockt. Es werde zwar nicht verstärkt Kontrollen geben, auf Kulanz sollte man aber wohl nicht hoffen.