Pflegebetrug in Millionenhöhe – Razzien in München und Augsburg

Bei einer außergewöhnlich umfangreichen Aktion gegen Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen haben Ermittler heute im Raum München und Augsburg mehr als 210 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Rund 630 Polizeibeamte und 33 Staatsanwälte aus beiden Städten seien im Einsatz gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft München I mit. Die Ermittlungen richteten sich gegen vorwiegend aus Osteuropa stammende organisierte Kriminelle bei Pflegediensten. 13 Beschuldigte wurden festgenommen und sollen demnächst dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Schaden dürfte weit in den Millionenbereich gehen. Vermögenswerte in Höhe von 3,6 Millionen Euro seien eingezogen worden. Durchsucht wurden nicht nur Räume von Pflegediensten, Arztpraxen und Wohnungen von Beschuldigten, sondern auch Wohnungen von weit mehr als hundert Patienten.

Pflegedienste sollen systematisch Schwächen im Kontrollsystem der Pflegeversicherung zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Insbesondere bestehe der Verdacht, dass Dienste bereits die Begutachtung von Patienten durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) für die Einstufung in den entsprechenden Pflegegrad gezielt manipulierten. Teils gebe es Hinweise, dass der Pflegebedarf künstlich erheblich aufgebauscht wurde, um mehr Leistungen als erforderlich abrechnen zu können. Auch Patienten oder deren Angehörige sollen mitgemacht haben.