Wofür stehen angebliche Nachhaltigkeitslabel wirklich?

Wer mit gutem Gewissen einkaufen möchte, hat es nicht leicht. Immer mehr Labels, Siegel und Zertifikate sind zu sehen, egal ob auf Klamotten, Klopapier oder Nudeln. Aber stehen die wirklich für Nachhaltigkeit oder sind das am Ende nur Mogelpackungen? Damit Ihr den Überblick behaltet, haben wir für Euch die wichtigsten Siegel gecheckt:

Lebensmittel Allgemein

EU-Biosiegel

Pro:

  • Deutlich strengere Richtlinien als für konventionelle Lebensmittel, was zu mehr Tierwohl und einem besseren Umweltschutz führt

Contra:

  • Nur 95% der Zutaten müssen aus ökologischer Landwirtschaft stammen
  • Ist kein Öko-Futter verfügbar kann auch zur Not genetisch verändertes Futter gefüttert werden
  • Das sonst übliche Abschneiden von Ringelschwänzen, das Abkneifen der Zähne, das Kürzen der Schnäbel oder auch das Enthornen ist nicht routinemäßig zugelassen, kann aber in Ausnahmen genehmigt werden

Regeln:

  • Das EU-Bio Siegel erlaubt insgesamt 53 Zusatzstoffe in den Endprodukten
  • Wie bei konventionellen Betrieben darf der Transport zum Schlachthaus maximal 8 Stunden dauern, wobei Ausnahmen erlaubt sind
  • Kastration von Ferkeln ist erlaubt

 

Naturland

Pro:

  • Der gesamte Betrieb darf ausschließlich Bio-Produkte herstellen
  • Strenge Richtlinien für Tierwohl und Klimaschutz
  • Produkte müssen 100 % vom Anbauverband zertifizierte Zutaten enthalten, in Ausnahmen können jedoch auch konventionelle Zutaten erlaubt werden
  • Gentechnisch verändertes Futter ist nicht erlaubt

Contra:

  • Trotz Kontrollen gibt es Höfe die den Tierschutz nicht einhalten

Regeln:

  • Insgesamt sind 22 Zusatzstoffe in den Endprodukten erlaubt
  • Transportwege dürfen maximal 4 Stunden dauern und 200 Kilometer weit sein
  • Das Abschneiden der Ringelschwänze, Abkneifen der Zähne und das Kürzen der Schnäbel ist generell verboten

 

Bioland

Pro:

  • Der gesamte Betrieb darf ausschließlich Bio-Produkte herstellen
  • Strenge Richtlinien für Tierwohl und Klimaschutz
  • Gentechnisch verändertes Futter ist nicht erlaubt

Contra:

  • Trotz Kontrollen gibt es Höfe die den Tierschutz nicht einhalten

Regeln:

  • Insgesamt sind 22 Zusatzstoffe in den Endprodukten erlaubt
  • Transportwege dürfen maximal 4 Stunden dauern und 200 Kilometer weit sein
  • Das Abschneiden der Ringelschwänze, Abkneifen der Zähne und das Kürzen der Schnäbel ist generell verboten

 

Demeter

Pro:

  • Ist der älteste Bio-Anbauverband Deutschlands mit besonders starken Vorschriften
  • Beinhaltet alle Kriterien vom EU-Siegel, Naturland und Bioland
  • Ergänzt eigene, noch strenger Vorschriften für das Tierwohl
  • Endprodukte müssen zu 100% aus Bio-Rohstoffen und zu 90% aus Demeter-Rohstoffen bestehen

Contra:

  • Keine transparenten Kontrollen
  • Trotz eigentlich striktem Verbot, wurden immer wieder enthornte Rinder auf Demeter-Höfen entdeckt
  • Da es sich um eine ganzheitliche Philosophie handelt, muten manche Regeln doch sehr esoterisch an, wie etwa die Vorschriften zur Verwendung von „biodynamischen Präparaten“ wie zum Beispiel mit Kuhfladen gefüllte Hörner, die ein halbes Jahr in der Erde vergraben werden müssen

Regeln:

  • Insgesamt sind 21 Zusatzstoffe in den Endprodukten erlaubt
  • Transportweg soll „so kurz wie möglich“ sein, allerdings ohne konkrete Vorgaben
  • Enthornen, Abschneiden der Ringelschwänze, Abkneifen der Zähne und das Kürzen der Schnäbel ist generell verboten

 

Fische

MSC-Siegel

Pro:

  • International tätige und gemeinnützige Organisation
  • Hatte in den 90er Jahren die Fischerei deutlich umweltfreundlicher gemacht

Contra:

  • Hat die Kriterien nie wirklich verschärft
  • Schließt nur Gift- und Dynamit-Fischerei generell aus, alle anderen Fischarten sind nicht pauschal ausgeschlossen, auch wenn sie nachweißlich umweltschädlich sind
  • Auch langjährig zertifizierte Unternehmen setzen umweltschädliche Fangmethoden wie Schleppnetze in großem Umfang ein
  • Zertifizierungsverfahren ist zu intransparent

 

ASC-Siegel

Pro:

  • Setzt Mindeststandards für die Fischzucht in Aquakulturen, zum Beispiel was Fütterung und Schutz der Wildtierarten anbelangt
  • Ist ein Kompromiss zwischen Umweltverbänden und der Industrie

Contra:

  • Fütterung mit gentechnisch veränderter Soja ist erlaubt
  • Schwache Vorgaben was den Einsatz von Medikamenten anbelangt

 

Naturland Aquakultur und Wildfisch

Pro:

  • Hat Bio-Ansprüche bei Aquakulturen (verbietet zum Beispiel den Einsatz von Chemikalien, Gentechnik oder Hormonen)
  • Schreibt die schonende Nutzung der Fischbestände in Wildgewässern vor
  • Kritische und umweltschädigende Fangmethoden sind verboten
  • Schreibt auch Sozialstandards für Fischer vor

Contra:

  • Erlaubt das Fischen mit Stellnetzen in Meeresschutzgebieten

 

Textilien

Der Blaue Engel

Pro:

  • Vom Staat gefördertes Siegel mit strengen Kriterien
  • Die Textilien werden ohne gesundheitsgefährdende Mittel und ressourcenarm hergestellt
  • Deckt den gesamten Produktionsprozess ab

Contra:

  • Berücksichtigt nicht den Transport

 

Grüner Knopf

Pro:

  • Staatliches Umweltsiegel
  • Prüft die Kleidung auf 26 Kriterien (z.B. ob chemische Stoffe biologisch abbaubar sind, aber auch auf soziale Aspekte wie Zahlung von Mindestlöhnen)
  • Das Unternehmen wird nochmal extra geprüft mit 20 strengen Kriterien, unterbindet zum Beispiel Zwangsarbeit und fordert Sicherheit für die Arbeiter

Contra:

  • Rohstoffanbau wird nicht mit einbezogen
  • Bisher wird nicht die gesamte Lieferkette überprüft

 

Cotton made in Africa

Pro:

  • Kinderarbeit, Menschenhandel und Zwangsarbeit sind bei Anbau und Ernte der Baumwolle strengstens verboten (bei konventionellen Textilien oft noch Normalität)
  • Es dürfen nur Kleinbauern teilnehmen, die ihre Felder nachhaltig bewirtschaften (zum Beispiel ist die Abholzung von Wäldern für den Anbau verboten)
  • Es dürfen nur Regenfelder bewirtschaftet werden, eine künstliche Bewässerung ist verboten

Contra:

  • Keine Aussage über die eigentliche Herstellung der Textilien. Die Baumwolle kann zu 100% nachhaltig und fair sein, letztendlich aber trotzdem in Kinderarbeit verarbeitet werden.

 

GOTS – Global Organic Textile Standard

Pro:

  • Produkte müssen zu 70% aus biologisch erzeugten Fasern bestehen
  • Gesamte Produktion wird in regelmäßigen, teils unangekündigten Kontrollen auf Nachhaltigkeit überprüft
  • Chemische Zusatzstoffe werden vor Verwendung auf Schädlichkeit und Abbaubarkeit getestet
  • Die Verpackung darf kein PVC erhalten
  • Gilt als eines der vertrauenswürdigsten Siegel

Contra:

  • Produkte dürfen zu 30% auch aus recyceltem Polyester etc. bestehen. Mischfaserkleidung ist weder biologisch abbaubar, noch wirklich recyclingfähig
  • Keine Abwasserkontrolle in der Produktion

 

Papier/Verpackung

Der blaue Engel

Pro:

  • Es wird zu 100% Altpapier verwendet
  • 60% weniger Energie und 70% weniger Wasser bei der Herstellung im Vergleich zu Papier ohne Siegel
  • Verbot von besonders schädlichen Chemikalien

Contra:

  • Sagt nichts über die Arbeitsbedingungen und die Sozialverträglichkeit aus

 

ÖKOPAplus

Pro:

  • 100 % aus recyceltem Altpapier
  • Nimmt nicht nur Rücksicht auf das Material sondern versichert auch eine nachhaltige Herstellung
  • Das verarbeitete Papier muss mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sein

Contra:

  • Trifft keine Aussage über die soziale Aspekte bei der Herstellung

 

FSC-Siegel

Pro:

  • Gibt es in dreifacher Ausführung ( FSC – Mix/ FSC – Recycled/ FSC - 100%-zertifizierte Produkte)
  • Mix ist die häufigste Variante, das Papier muss dabei nur zu 70% aus recycelten oder FSC-konformen Fasern bestehen
  • Recycled bedeutet, dass nur recycelte Fasern aus Altpapier verwendet werden
  • 100% zertifizierte Produkte müssen zu 100% aus FSC-zertifizierten Primärfasern bestehen
  • Umfassende und regelmäßige Kontrollen machen das Label vertrauenswürdig

Contra:

  • Zertifiziert auch Papier das aus Holz aus Regenwäldern hergestellt wird
  • Trifft keine Aussage über soziale Aspekte bei der Herstellung
  • Kaum Aussagekraft über Qualität oder Nutzung von Chemikalien
  • Stellt außer teilweises Recycling keine Anforderungen an die Produktion
  • Dreiteilung sorgt oft für Missverständnisse